Flüchtling

Abdalahad, Afghanistan

Abdalahad ist von Beruf Goldschmied und besaß einen eigenen Laden in der Nähe von Kabul mit handgefertigten Schmuck, den er selbst fertigte.

Adnan, 26 Jahre aus Pakistan

Familienstand: ledig
Beruf: Polizist
Hobby: Cricket spielen

Ali, Syrien

Die Bilder und Erinnerungen vom Bürgerkrieg sind nicht vergessen

Amal, 38 Jahre aus dem Irak

Amal wuchs in Kurdistan auf. Ihr Vater war Soldat und ist im Kampf gestorben, als sie zwei Jahre alt war. Ihre Mutter erkrankte kurz darauf am Herz. Da ihre Familie die die ärztliche Behandlung nicht bezahlen konnte, verstarb auch sie. Mit 14 Jahren heiratete Amal und brachte vier Töchter und einen Sohn zur Welt. Sie kümmerte sich um ihre Kinder und arbeitete sehr viel. Später trennten sich ihr Mann und sie. Nach einiger Zeit lernte sie aber einen neuen Mann kennen und lieben. Mit ihm ist sie bis heute verheiratet.

In Kurdistan besaß Amal einen Friseurladen. Eine ihrer Töchter unterstützte sie dort. Dann kam der Krieg immer näher. Amal absolvierte eine sechsmonatige Ausbildung als Soldatin gegen den Islamischen Staat. Sie hatte große Angst um ihre Familie. Der Islamische Staat rückte immer näher, viele Menschen starben, weil sie sich diesem nicht anschließen wollten.

In ihrer Verzweiflung startete sie mit ihrem Mann und ihren fünf Kindern im Oktober 2015 ihre Flucht nach Deutschland. Sie hatten gehört, dass man sie dort aufnehmen könnte. In ihrem Heimatland Irak konnten sie nicht mehr bleiben. Zu groß waren die Gefahr und die Angst um ihre Kinder.

Anfang Oktober 2015 erreichten sie die Türkei. Dort traf Amal ihren Onkel. Sie, ihr Mann und eine ihrer Töchter besaßen keinen Pass. Deshalb blieb ihnen nichts anderes übrig, als den Onkel mit einer der Töchter und dem Sohn nach Deutschland weiterreisen zu lassen.

Amal war verzweifelt. Zusammen mit ihrem Mann und ihrer Tochter Miriam mussten sie weiter über Schlepper flüchten. Mit einem kleinen geschlossenen Lieferwagen und rund 30 Personen fuhren sie zunächst über die Autobahn und dann bei Nacht viele Stunden über holprige Pfade in Richtung Meer. Immer wieder stießen sich die Kinder die Köpfe an der Decke an. Der Wagen fuhr sehr schnell. Die Fenster waren geschlossen und keiner wusste, wo sie genau waren. Amal saß vorne. Der Schlepper am Lenkrad sprach kein Wort zur ihr. Sie hatte große Angst.

Nach sieben Stunden erreichten sie die Küste. Für die Überfahrt nach Griechenland waren 20 Personen angekündigt. Vor Ort, in der Morgendämmerung, waren es dann aber rund 50 Personen. Die Flüchtlinge pusteten gemeinsam das große Schlauchboot auf. Mittlerweile stieg die Zahl auf 60 Personen an. Wer nicht kam, war der Bootsführer. Der Schlepper, der sie ans Meer gefahren hatte, fing an, sie alle zu bedrohen und ihnen Geld abzunehmen. Er zeigte ihnen auf dem Meer die Richtung und sagte, dass sie nach 40 Minuten Land erreichen würden. Danach fuhr er davon. Einer der Flüchtlinge kam aus dem Iran und wusste, wie man das Boot steuert. Aus Verzweiflung stiegen alle in das überfüllte Boot. Es war sehr eng, aber keiner wollte zurückbleiben. So fuhren sie gemeinsam in die angewiesene Richtung.

Amal zeigte uns ein Video, dass sie am Anfang auf dem überfüllten Schlauchboot mit dem Smartphone aufnahm. Obwohl die Gefahr groß war, da sie nicht wussten, ob sie die Küste jemals erreichen würden, waren alle optimistisch. So viel hatten diese Menschen schon auf sich genommen. Wie zuversichtlich sie doch waren.

Während der Fahrt lief immer mehr Wasser in das Boot. Die Passanten schöpften es mit den Händen heraus und warfen das wenige Hab und Gut, das sie bei sich hatten, über Bord. Bis auf einen Mann und seine Tochter konnte keiner der 60 Personen schwimmen. Amals Tochter Miriam wurde zudem seekrank und war sehr erschöpft.

Nach genau 48 Minuten erreichten sie die Küste von Griechenland. Bis dahin stand das Wasser schon knietief im Boot. Erleichtert stieg die Gruppe aus und wanderte gemeinsam über eine Schlucht. Viele von ihnen waren durstig, hungrig und einige krank geworden auf ihrer Flucht. Hinter der Schlucht wurden sie von Helfern empfangen. Die freundlichen Griechen versorgten alle im Camp. Von dort aus fuhr Amal mit ihrem Mann und ihrer Tochter weiter mit einem großen Boot nach Athen. Die kleine Familie vertraute sich einem Mann, den sie während der gefährlichen Überfahrt zuvor kennengelernt hatten, an. Zusammen reisten sie mit dem Bus oder zu Fuß über Mazedonien, Serbien, Österreich… so genau wussten sie es oft gar nicht, wo sie eigentlich waren, in Richtung Deutschland. Auf dem Weg trafen sie immer wieder Fremde, die sie mit Essen, Trinken und frischer Kleidung versorgten. Sie selber hatten ja das wenige, was sie mit auf die Flucht nahmen, unterwegs verloren. Manchmal, bei den Fußmärschen waren sie rund 1000 Personen, die gemeinsam reisten. In Österreich angekommen, konnten sie das erste Mal seit Griechenland wieder duschen. Wie erleichtert sie waren.

Unterwegs telefonierte Amal immer wieder mit ihrem Onkel und ihren zwei Kindern. Sie war erleichtert, dass es ihnen ebenfalls gut ging.

Von Österreich aus fuhren sie dann mit dem Zug an die deutsche Grenze. Dort angekommen, war es bitterkalt. Amal und ihre Familie wurden von Helfern empfangen, die ihnen Suppe gaben und warme Kleidung. Endlich konnten sie sich ein wenig entspannen. Sie fühlten sich sicher. Man brachte sie nach Gießen, wo sie ihre anderen Kinder und den Onkel trafen. Dort lebten sie mit rund 300 Personen in einer Basketballhalle. Es gab keine Privatsphäre. Es war niemals richtig ruhig - aber sicher - und das war das Wichtigste für sie.

Am 11.01.2016 wurden Amal und ihre Familie nach Hochheim in die Sporthalle verlegt. Dort gefiel es ihnen besser. Die Halle war mit Hilfe von Bauzäunen und weißen Planen in kleine Einheiten unterteilt. Die Familie bekam ein Abteil mit Betten. Dadurch hatten sie zumindest ein bisschen Privatsphäre. Amals Kinder konnten wenige Monate später in die Schule gehen. Dort wurde für die Flüchtlingskinder eine Deutsch-Intensivklasse gegründet. Amal und ihr Mann besuchten den ehrenamtlichen Deutschunterricht und bekommen nun seit einiger Zeit Deutschunterricht über die VHS. Seit dem Ende Mai 2016 wohnen sie im ehemaligen Tetra-Pak-Gebäude. Hier besitzt die fünfköpfige Familie zwei Zimmer, die durch eine Tür miteinander verbunden sind.

Der Asylantrag der Familie wurde bis heute (September 2016) immer noch nicht bewilligt, was für sie bedeutet, dass Amal und ihr Mann nicht arbeiten dürfen. Sie nutzten die Zeit, um Deutsch zu lernen und Deutschland kennenzulernen.

Wenn man Amal kennenlernt, bemerkt man schnell ihr positives Gemüt, ihre Fröhlichkeit und ihren Optimismus. Sie ist sehr herzlich, gastfreundlich und eine wunderbare Mutter. Amal und ihre Familie sind glücklich, ein neues zu Hause gefunden zu haben.

"Wir möchten jetzt das Leben genießen. Man hat nur dieses eine Leben."

- Amal -

Die Familie macht kleine Ausflüge in die Umgebung. Ihre Deutschgrundkenntnisse reichen aus um sich ein wenig ohne Dolmetscher zu verständigen und zurechtzufinden. Die Kinder helfen immer wieder gerne beim Übersetzen, da sie in der Schule sehr schnell Deutsch gelernt haben.

Zwei ihrer Töchter haben in den Sommerferien ein mehrwöchiges Praktikum in einem Kindergarten gemacht. Einer Tochter hat es dort sehr gut gefallen. Sie möchte nach der Schule auch gerne beruflich etwas mit Kindern machen. Die andere Tochter möchte gerne Ärztin werden oder in einer Apotheke arbeiten. Genau wie ihr Bruder können sich beide aber auch vorstellen, Polizist/innen zu werden, allerdings im Büro - nicht auf der Straße. Amal und ihr Mann würden jede Art von Arbeit annehmen. Die Hauptsache ist, dass sie ihre Familie ernähren können. Zurzeit helfen sie wo sie können, wie etwa beim Anlegen der Hochbeete, damit in ihrer Gemeinschaft ein bisschen Obst und Gemüse angebaut werden kann und sie nicht immer auf Spenden angewiesen sind.

 

 

 

Anwar, 45 Jahre mit Sohn aus Syrien

Familienstand: verheiratet, vier Kinder
Beruf: Gerichtsschreiber, Berufswunsch in Deutschland: jede Arbeit
Hobbys: Tischtennis, Musik hören, Tanzen, Shopping

Arsaian, 23 Jahre, aus Afghanistan

Beruf: Dolmetscher für Englisch und Farsi
Familienstand: drei Geschwister, Mutter ist Lehrerin und Vater hat eine führende Position bei einem Autoteile-Zulieferer
Hobbys: Fußball spielen, Fahrrad fahren, Fotografie

Fouad, 45 Jahre aus Syrien

Familienstand: verheiratet, 4 Kinder
Beruf: Lehrer für Englisch und Arabisch
Hobbys: Lesen, spazieren, Freunde treffen, die Natur genießen

Leila und Mohsen, Iran

Im Iran hat Leila (34 J.) ein Studium im Bereich Personalmanagement absolviert. Bis zu Ihrer Flucht war sie Inhaberin einer Boutique, in der sie feine Schuhe und Taschen verkaufte.

Manal, 34 Jahre aus Syrien

Manal flüchtete mit drei von ihren insgesamt vier Kindern im Juli 2016 in Richtung Deutschland. Da die Grenzen vieler Staaten inzwischen geschlossen und Zäune errichten worden sind, ist der Weg nach Deutschland extrem gefährlich geworden. Viele Menschen sterben unterwegs.

Manals Ehemann arbeitete als Bauer in Syrien. Sie selbst arbeitete als Privatlehrerin. Zusammen haben sie zwei Söhne und zwei Töchter. Manal war bis zur neunten Klasse selber in der Schule und unterrichtete dann später ihre Kinder zu Hause. Wie man unterrichtet, brachte sie sich selber bei und bewies dabei besonders großes Geschick. Viele Kinder konnten in ihrer Stadt nicht zur Schule gehen. Da die Bewohner über die gute Lehrtätigkeit von Manal erfahren hatten, wurde sie von weiteren Eltern als Privatlehrerin engagiert.

Aufgrund des Krieges verlor ihr Mann seine Arbeit. Er kümmerte sich deshalb um die Kinder. Die Zeiten in Syrien sind sehr hart gewesen. Die Lebensmittelpreise sind stark gestiegen, der Krieg hat viel zerstört und es ist keine Besserung in Sicht. Manal hatte erfahren, dass Deutschland sie und ihre Familie aufnehmen könnte. Dort gäbe es Jobs und für die Kinder eine schulische Ausbildung.

Leider hatte die Familie nicht genug Geld um die Schlepper für die Flucht der gesamten Familie zu bezahlen. So entschieden sich die Eltern die ältere Tochter beim Vater zu lassen. Dieser hatte zudem eine Verletzung am Bein. Er hätte nicht stundenlang laufen können.

In ihrer Freizeit nähte Manal gerne Kleidung. Sie kann gut mit einer Nähmaschine umgehen. So nähte sie in ihre und  die Kleidung der Kinder geheime Taschen ein, worin sie Geld für die Flucht versteckte. Das funktionierte sehr gut, erzählt sie.

Schließlich reisten Manal und ihre 14-jährige Tochter Katrin sowie ihre 13 und 8 Jahre alten Söhne los. Die anderen sollten später nachkommen.

Am 13. Mai 2016 erreichte die kleine kurdische Familie die Türkei. Von Istanbul aus liefen sie dann in einer Gruppe aus 38 Erwachsenen und Kindern durch Wälder in Richtung Deutschland. Vier Tage lang bewegten sie sich nachts. Tagsüber mussten sie zusammen sitzend warten bis die Dämmerung am Abend wieder eintrat. Tagsüber sei es zu gefährlich,  wurde ihnen gesagt. Bei Nacht mit den Kindern durch die Wälder zu laufen machte Manal Angst. Man konnte seine eigene Hand vor Augen nicht sehen, erzählt sie. Zum Essen gab es ein paar Datteln und Wasser. Unterwegs wollte ein Mann Manals Mobiltelefon stehlen. Sie stritt sich mit ihm. Das Telefon war die einzige Verbindungsmöglichkeit zu ihrer Familie in Syrien. Sie bekam nach einigem hin und her ihr Telefon zurück und war sehr erleichtert.

In Bulgarien fuhr die Gruppe dann mit einem kleinen Bus bis zur Stadt Sofia. Dort stiegen sie in einen weiteren Schlepperbus um. Noch bevor alle Personen eingestiegen waren, fuhr der Bus einfach los. Manals Kinder wollten gerade einsteigen. Eine Person auf der Straße verfolgte das Ereignis und sprang vor den Bus. Dieser hielt dann an, so dass die Kinder noch schnell einsteigen konnten. Da der Bus allerdings überfüllt war, nahmen die Insassen ihre Arme nach oben und hielten die Kinder über sich.

Der Bus fuhr über eine Schnellstraße und durch einen Wald. Plötzlich wurden sie von einem Auto verfolgt. Das Auto schaffte es, sie zum Stoppen zu bringen. Es war die bulgarische Mafia auf der Suche nach „Organspendern“. Sie öffneten das Fahrzeug und versuchten Manals Kinder aus dem Bus zu ziehen. Doch ein paar Personen im Bus zogen sie schnell wieder hinein, sodass dieser ganz schnell weiterfahren konnte.

Nach einer Weile wurden sie von der bulgarischen Polizei gesehen und verfolgt. Das Mafiaauto verschwand.

Der Busfahrer raste sehr schnell, rutschte in einer Kurve von der Straße ab und blieb mit dem kleinen Bus an einem Baum hängen. Während die Insassen aus dem Bus stiegen, versuchte der Fahrer zu flüchten, wurde aber von der Polizei gefasst.

Alle zusammen wurden sie in ein bulgarisches Gefängnis gebracht. Dort erzählten ihnen andere Flüchtlinge, dass die bulgarische Organ-Mafia schon viele Menschen gefangen hätte, die dort auf der Reise waren. Sie verkaufen die Organe in Europa. Von mehr als 25 Personen wussten sie, die kürzlich entführt worden waren.

Die Flüchtlinge mussten 12 Tage im Gefängnis verharren. Die Zeit war für Manal und ihre Kinder sehr hart. Es gab morgens und abends ein kleines Brötchen und etwas Suppe, die schrecklich schmeckte. Danach wurden sie in ein bulgarisches Flüchtlings-Camp gebracht. Ein Schlepper im Camp lud 40 Personen einschließlich Manal und ihre Kinder in einen LKW. Im Innenraum des LKW- Anhängers saßen alle dicht aneinander auf dem Boden. Die Beine an den Körper gezogen in völliger Dunkelheit. Etwas Luft kam in den Hänger. Fünf Stunden lang fuhren sie so nach Serbien. Dort angekommen wurden die Menschen in zwei kleine Busse aufgeteilt.

Nach weiteren fünf Stunden stiegen sie in einen weiteren LKW um. Dann hielt der LKW an einem Morgen in Serbien an. Der LKW-Fahrer öffnete den Hänger und schrie alle Flüchtlinge an. Sie stiegen aus und sollten ihm Geld geben. Er bedrohte Manal, ihre Familie und die anderen Flüchtlinge so sehr, dass ihnen nichts anderes übrig blieb, als ihm Geld zu geben, obwohl im Vorfeld dieser grauenvolle Reise schon bezahlt worden war. Der Fahrer nahm das Geld und fuhr davon. So blieben die Menschen geschockt und erschöpft von der Reise zunächst einen Tag an dem einsamen Ort. Dann liefen sie weiter.

Manal und ihre Kinder fanden ein Taxi, dass sie in die Nähe der ungarischen Grenze brachte. Der Fahrer wollte nicht unmittelbar direkt dorthin fahren. So mussten sie die letzten drei Stunden durch den Regen laufen. Dort angekommen, trafen sie wieder viele andere Flüchtlinge. Die ungarische Polizei hatte einen Zaun errichtet, wodurch sie nicht weiterreisen konnten. Jemand versuchte den Zaun durchzuschneiden, aber das funktionierte nicht. Die Polizei überwachte die Zaungrenze. Sie befanden sich an einem Wald und es begann dunkel zu werden. Zudem wollte der Regen einfach nicht aufhören. Ihre Kleidung war durchnässt, sie waren hungrig und die Kinder erschöpft.

Manal und ca. 40 weitere Personen entschlossen sich, im Wald einen Unterschlupf zu suchen. Sie liefen im Dauerregen los. Es wurde immer dunkler und kälter. Gegen 24 Uhr fanden sie ein altes, verlassenes, heruntergekommenes Haus.

Die Flüchtlinge gingen hinein. Es hatte zumindest ein Dach. Da aber fast alles feucht war, überlegten sie, womit sie Feuer machen könnten. Überraschenderweise hatte Manal eine Slipeinlage bei sich. Die zündete sie mit einem Feuerzeug an und machte ein kleines Feuer mit Papier und Holz, das sie im Haus fanden. So konnten sich die 40 hungrigen Personen zumindest ein bisschen aufwärmen.

Am Folgetag liefen sie drei-vier Stunden weiter entlang der Grenze durch den Wald. Leider wurden sie von der serbischen Polizei gefasst und in Toiletten eingesperrt, ohne zu wissen, wann sie wieder hinaus durften. Nach 24 Stunden ließ man sie schließlich gehen und brachte sie in ein Camp. Dort blieb Manal mit ihren Kindern in einer schäbigen, schmutzigen  Unterkunft für zwei Tage. Sie lernte fünf Personen kennen und entschloss sich mit ihren Kindern und ihnen gemeinsam mit einem Schleppertaxi über Österreich nach Deutschland zu fahren.

Nachdem sie einige Zeit gefahren waren, hielt der Taxifahrer an und verkündete, dass sie nun in Deutschland seien. Ein Junge im Auto hatte allerdings ein kleines GPS - Gerät dabei und wusste, dass sie noch in Österreich sind. Der Fahrer lies die Flüchtlinge im Regen aussteigen und fuhr wieder davon. So standen sie an der verlassenen Straße im Dauerregen. Es war mittlerweile zwei Uhr nachts und die kleine Gruppe war orientierungslos. Sie liefen die Straße entlang, weiter und weiter. Irgendwann begegneten sie einer Frau und fragten sie auf Englisch, wie man nach Deutschland käme. Die Frau zeigte ihnen die Richtung und versprach, dass sie nach ca. 15 Minuten die deutsche Grenze hinter einer Brücke erreichen würden. So lief die kleine Gruppe weiter.

Manal und ihre Kinder waren sehr erschöpft. In den Morgenstunden erreichten sie eine kleine Ortschaft. Manals Tochter Katrin sah an einem Haus eine Deutschlandflagge. Sie wusste, dass man Deutsche  Fußballfans daran erkennen würde. Katrin mag gerne Fußball und die deutsche Nationalmannschaft ebenso. Sie befanden sich in Bayern. Sie liefen einige Zeit weiter und wurden dann von der Polizei am 17.06.2016 in ein Camp gebracht, wo man sich um sie kümmerte. Sie wollten aber nicht dort bleiben und so stiegen Manal und ihre Kinder in einen Zug und fuhren nach Kronberg. Dort trafen sie sich mit Manals Schwester, die bereits aus Syrien geflüchtet war und dort wohnte.

Zehn Tage konnte sich die Familie dort ausruhen und sich von den Strapazen ein wenig erholen. Dann gingen sie zur Registrierung nach Gießen. Das Prozedere war dort nicht ganz einfach, da sie keine Pässe bei sich hatten. Schlepper hatten ihnen abgeraten diese bei sich zu führen. Manal und ihre Kinder wurden der Stadt Hochheim zugewiesen, wo man sie hinbrachte.

Hier gefällt es ihr in der Unterkunft sehr gut. Sie hat viele freundliche Menschen kennengelernt und ihre Kinder haben schnell neue Freunde gefunden. Manal hat sich für ihre Kinder eingesetzt, damit diese möglichst schnell in die Schule kommen. Es ist ihr sehr wichtig, dass sie schnell Deutsch lernen. Sie und die Kinder fühlen sich hier sicher und sind erleichtert, nicht mehr weiterreisen zu müssen.

Auf die Frage hin, ob sie als alleinreisende Frau mit Kindern keine Angst vor den männlichen Flüchtlingen hatte, verneinte sie. Manal erzählte, dass die Männer immer sehr freundlich zu ihr und den Kindern gewesen seien. Nur die Schlepper seien sehr gefährlich, weshalb sie auf der Reise oft kaum schlafen konnte.

Mohammad, Syrien

Gelungener Start ins Berufsleben

Mohammed, 28 Jahre alt, aus Syrien

Familienstand: verheiratet - seine Frau sitzt im Libanon fest. Er hofft, dass sie bald zu ihm kommen kann.
Beruf: Sanitär- und Heizungsinstallateur
Hobbys: Fußball, Musik hören (Rock und Pop)

Nora, 15 Jahre aus Syrien

Nora lebte mit ihren kurdischen Eltern und einer Schwester in Aleppo / Syrien. Ihr Vater arbeitete dort in der Produktion einer Firma, die Taschen herstellte. Dann kam der Krieg und die Bomben stürzten in ihre Stadt ein. Nora floh mit ihrer Familie über Schleuser in die Türkei. Die Reise war sehr gefährlich. Von der Türkei aus ging es weiter mit einem kleinen Boot nach Griechenland. Die Wellen peitschten, der Motor dröhnte. Das kleine Boot war mit seinen 35 ängstlichen Insassen total überfüllt und die meisten konnten nicht schwimmen.

In Griechenland heil angekommen, reiste Nora mit ihrer Familie in einem großen Boot nach Athen. Danach ging es weiter über Mazedonien, Serbien, die Slowakei, Ungarn und Österreich. Acht Tage war Nora mit ihrer Familie per Zug und zu Fuß unterwegs, bis sie endlich Deutschland erreichten. Unterwegs ist sie vielen hilfsbereiten Menschen begegnet, die sie und ihre Familie mit Essen und Schlafplätzen versorgten.

 

"Deutschland findet sie sehr schön. Ich mag es, dass die Deutschen die Kinder so gerne mögen. Aber Syrer mögen Kinder natürlich auch sehr gerne."

- Nora -

In Deutschland war Nora mit ihrer Familie zunächst für zwei Monate in Gießen, dann wurden sie Hochheim-Massenheim zugewiesen und lebten dort viele Monate mit rund 100 weiteren Personen in der Sporthalle. Nun ist sie sehr glücklich in Hochheim zu wohnen. Hier kann sie zur Schule gehen. Ihre Deutschkenntnisse sind schon gut. Sie ist sehr fleißig, weil sie in Zukunft Ärztin werden will oder in einer Apotheke arbeiten möchte. 

Selma, 27 Jahre aus Syrien

Selma ist verheiratet und hat zwei kleine Kinder. Ihr Mann Sadegh ist wie sie 27 Jahre alt. Selma ist Analphabetin und hatten nie die Möglichkeit eine Schule zu besuchen. Ihr Mann hat  zumindest vier Jahre die Schule besucht. Er kann Arabisch sprechen und schreiben. Sadegh ist Handwerker. Er arbeitete als Maler und Verputzer, kann aber auch Autos reparieren oder wäscht diese. Ihm ist es wichtig, Geld zu verdienen, um seine Familie zu ernähren. Selma arbeitete in einem Wachsstudio. In ihrem Heimatland konnten sich dort Frauen z. B. an den Beinen die Haare durch Wachs entfernen lassen.

Selma ist zusammen mit ihrem Mann, ihren beiden kleinen Töchtern und ihrer Cousine, die im siebten Monat schwanger war, geflohen. Der Krieg war gegenwärtig und viele Menschen sind gestorben. So mussten auch sie gehen. Ihre Reise führte über den Irak durch kurdische Gebiete. Einen Monat war sie dann mit ihrer Familie in der Türkei. Danach traten sie die Reise auf einem Schlepperboot mit vielen weiteren Flüchtlingen in Richtung Griechenland an. Unterwegs ging der Motor des Bootes kaputt. Sie versuchten ihn zu reparieren, aber kurz darauf ging er erneut kaputt. Viele Stunden vergingen, während sie ohne Essen und Trinken auf dem offenen Meer daher trieben. Selma hatte große Angst um ihren Mann, ihre beiden kleinen Töchter und ihre Cousine. Nach der dritten notdürftigen Reparatur fuhr das Boot endlich vorwärts. Nach neun Stunden erreichten sie schließlich erschöpft Griechenland. Dort trafen sie auf Helfer, die sie mit Lebensmitteln versorgten. Nachdem sie ausgeruht und gestärkt waren, sind sie über Mazedonien, Kroatien, Österreich weiter gereist. Oft waren sie mit dem Zug unterwegs. Die Züge waren oft überfüllt, wodurch sie an manchen Orten mehrere Tage verweilen mussten. Auch auf die kleinen Kinder und die schwangere Cousine nahmen sie viel Rücksicht. Lange Fußmärsche waren nicht möglich. So war Selma mit ihrer Familie von Griechenland bis Deutschland 20 Tage unterwegs.

Selmas Cousine wurde der Stadt Kriftel zugewiesen und brachte dort eine Tochter zur Welt. Selma und ihre Familie lebten zunächst in Hattersheim in einer offenen Sporthalle mit vielen anderen Menschen zusammen und danach in Massenheim. Nun ist sie froh in der Gemeinschaftseinrichtung in Hochheim zu wohnen. Hier hat die vierköpfige Familie ein eigenes Zimmer.

Da Selma Analphabetin ist, hat sie mit Sprach- und Schriftübungen angefangen. Sie hat große Probleme dem Deutschunterricht zu folgen. Ihr Deutsch ist leider immer noch sehr schlecht, was sie selber frustriert. Wenn sie Deutsch kann und der Asylantrag ihrer Familie genehmigt ist, können ihr Mann Sadegh und sie endlich arbeiten gehen.

Selma träumt von einem eigenen kleinen Haus oder einer Wohnung. Ihre beiden kleinen Töchter sind in der Schule und verstehen und sprechen mittlerweile recht gut Deutsch. Besonders eine Tochter ist vielen ehrenamtlichen Helfern in Hochheim immer wieder aufgefallen, da sie sehr schnell Deutsch verstanden hat und sprechen konnte. Als sie neu nach Massenheim kam, war sie oft und gerne bei den ehrenamtlichen Helfern dabei und saugte die vielen neuen Wörter und Sätze wie ein Schwamm auf.

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