Walid freut sich auf eine eigene Wohnung

Der junge Afghane ist ehrenamtlich beim Roten Kreuz engagiert

 
Von Annette Zwaack
 
Walid Irbahimkhel stammt aus einem Ort im Gebirge Afghanistans, das Klima ist ähnlich dem in Deutschland. Doch das politische Klima zwingt ihn 2015 zur Flucht - Flucht vor dem andauernden blutigen Krieg zwischen den radikal-islamischen Taliban und vornehmlich dem Militär der amerikanischen oder afghanischen Regierung. Meistens zu Fuß begibt er sich auf den abenteuerlichen Weg nach Europa - durch Pakistan, den Iran, die Türkei, Bulgarien, Serbien, dann Österreich. Über München und Gießen gelangt er im Januar 2016 in die Gemeinschaftsunterkunft in der Sport- und Kulturhalle Massenheim.
 
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Walid Irbahimkhel hat sich gut in Hochheim eingelebt. Sein größter Wunsch ist es, eine kleine Wohnung zu finden. Foto: Annette Zwaack
 
Als im Juni die Flüchtlingsunterkunft im ehemaligen TetraPak-Gebäude zum neuen Domizil wurde, beginnt er sofort in allen umliegenden Firmen nach Arbeit zu fragen, doch da stehen die Sprachschwierigkeiten im Weg. Nach einem weiteren Deutschkurs wird eine Bewerbung geschrieben, die Anfang 2017 zu einem Praktikum bei Braun und Company verhilft. Er bekommt einen Job im Lager, zwei Monate später ist er im Besitz des Gabelstapler-Führerscheins. Eigentlich wollte er eine Ausbildung in der Firma absolvieren - er hatte bereits alle Abteilungen durchlaufen -, doch in der Berufsschule zeigt sich, dass sein Deutsch noch nicht gut genug ist. Mit großer Wärme und Dankbarkeit erwähnt Walid Geschäftsführerin Eva Braun, die ihm vertraut und eine feste Anstellung zugetraut hat.
 
Walid ist ein zuverlässiger Arbeiter, eigenständig bereitet er im Lager beispielsweise die Bestellungen zum Versand vor. Zusätzlich hat er einen Minijob bei REWE, dort arbeitet er dreimal die Woche nach Feierabend.

Da der junge Mann den Ersthelfer-Kurs beim Roten Kreuz bereits bestanden hat, kommt er regelmäßig zum Einsatz - im vergangenen Jahr hat er beim Weinfest, beim Hochheimer Markt, bei der Meisterschaft im Gardetanz, beim Weinbergslauf in seiner orangefarbenen Uniform Dienst getan. Ehrgeizig wie er ist, möchte er bald einen Sanitäterkurs machen. Seine Deutschkenntnisse sind mittlerweile sehr gut, einmal pro Woche geht er weiterhin zum Unterricht, denn er möchte jetzt bald die B1-Prüfung schaffen.
 
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Seitdem Walid den Ersthelfer-Kurs absolviert hat, tut er regelmäßig Dienst bei den Blutspendeterminen in der Heinrich-von-Brentano-Schule.
Foto: DRK Ortsvereinigung Hochheim

Umso glücklicher ist der junge Mann, dass er nun auch die Erlaubnis hat, aus der Flüchtlingsunterkunft auszuziehen. Sein größter Wunsch ist es jetzt, eine kleine Wohnung zu finden. (Wer hier helfen möchte, darf gern seine Kontaktdaten in der Hochheimer Zeitung hinterlegen, oder per Mail an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! senden.)

Walids Tag ist gut gefüllt, es kommt keine Langeweile auf - so trifft man ihn regelmäßig beim Training im Sportstudio. Selbst kochen hat er mittlerweile auch gelernt, für die richtigen Rezepte hilft dann auch mal die Mutter via Telefon. Sein nächstes Projekt ist der Führerschein.

Walid ist ein sympathischer junger Mann, der sein Leben in die Hand genommen hat und in Deutschland seine Zukunft sieht.

 

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