Mohammad, Syrien

Gelungener Start ins Berufsleben

NEUANFANG Mohammad Al Msalma liebt Spaziergänge am Rhein

HOCHHEIM - Mohammad kommt aus Daraa, einem Ort 100 Kilometer südlich von Damaskus gelegen und von der syrischen Hauptstadt etwa genauso weit entfernt wie von den Golanhöhen des benachbarten Israel. 2014 floh er aus seiner Heimatstadt, lebte ein Jahr in der Türkei, bis er mit einem Boot nach Griechenland und dann weiter über die Balkanroute – 14 Tage zu Fuß, mit dem Bus und Zug – nach Deutschland gelangte. Drei Monate lebte er in einem Erstaufnahmelager in Darmstadt, bevor er im Januar 2016 in die Sammelunterkunft nach Massenheim kam und danach mit allen anderen Geflüchteten ein neues Zuhause im ehemaligen Tetrapak-Gebäude fand.
Sich hier einzugewöhnen, Deutsch zu lernen, war die oberste Priorität des 25-jährigen Mohammad. Mit den bis jetzt erworbenen Sprachkenntnissen stiegen die Chancen auf dem Arbeitsmarkt für den jungen Syrer.

Drei Monate Praktikum war der Einstieg

Lydia Hubert aus dem Ehrenamtlichen-Team "Arbeitsmarkt-Integration" hat sich in besonderer Weise für den Flüchtling eingesetzt: Sie eruierte die Möglichkeiten, in Hochheim etwas Passendes in seinem Berufsfeld zu finden und war erfolgreich: Da Mohammad einen Bachelor-Abschluss in Elektrotechnik vorweisen kann, erklärte sich Michael Grollmus, Geschäftsführer der Grollmus GmbH, bereit, ihn während eines Praktikums zu testen. Von Februar bis April dauerte das Praktikum und damit nahm die Erfolgsstory ihren Anfang. Seit 1. Mai ist Mohammad zuerst einmal in einem befristeten Arbeitsverhältnis angestellt, mit dem Ziel, nach der Probezeit einen unbefristeten Arbeitsvertrag zu bekommen.

"Herr Al M. ist jung und motiviert, und wir sind froh, einen so engagierten Mitarbeiter gefunden zu haben", erklärt Michael Grollmus. Der Fachkräftemangel hat ihn bewogen, den jungen Geflüchteten einzustellen, und er sieht sich täglich in seiner Entscheidung bestätigt. Mit seiner elektrotechnischen Grundausbildung kann der junge Syrer gut eingesetzt werden, er bereitet das Equipment für die fünftägigen Schulungen für Automatisierungstechnik vor, verschickt auch die Gerätschaften für die Schulungen an die anderen Standorte der Firma. Generell unterstützt Mohammad auch noch andere Techniker, aber sein Hauptarbeitsgebiet sind die Schulungsgeräte. Mit wachsenden Deutschkenntnissen werden ihm dann weitere Aufgaben übertragen, beispielsweise die Formatierung von Schulungsunterlagen und die Organisation der Schulungsabläufe. Engen Kontakt wird er schließlich auch zu den anderen Firmenstandorten haben, damit jederzeit auf alle Unterlagen zugegriffen werden kann.

Arbeit als Halbtagskraft

Zurzeit arbeitet Mohammad als Halbtagskraft, denn er braucht auch Zeit für seinen B2-Sprachkurs. "Wir sind über jede Stunde froh, die er hier für uns arbeitet", sagt Michael Grollmus. Doch wichtig ist im Moment die Unterstützung im Deutschunterricht. Demnächst wird die Firma Mohammad noch mit einem berufsbegleitenden Sprachkurs unterstützen. „Unser Ziel ist es, dass Herr Al Msalma hier als vollwertiger Mitarbeiter einen Platz hat“, bestätigt Grollmus noch einmal seine positive Einschätzung der beruflichen Eignung seines syrischen Mitarbeiters. Ein Gewinn ist der Syrer auch wegen seiner Muttersprache Arabisch. Im internationalen Wettbewerb muss man sprachlich breit angelegt sein.


Ebenso positiv berichtet Grollmus von dessen freundlichem und respektvollem Umgang mit Kolleginnen und Kollegen in der Firma.
Fragt man Mohammad nach seinen Hobbys, erzählt er vom Kickboxen, das er zuhause in Daraa noch betrieben hat. "Hier bin ich zum Arbeiten und Lernen", beschreibt er seine Freizeit. Mit seinem Cousin und Freunden fährt er allerdings ganz gern mal mit dem Bus nach Mainz und liebt es, durch die Stadt zu gehen oder entlang des Flusses zu spazieren. Seine Augen strahlen vor Begeisterung beim Erzählen – die schöne Landschaft, die vielen neuen Eindrücke.


Bei der Industrie- und Handelskammer bemüht er sich aktuell um die Anerkennung seines Bachelor-Abschlusses, und er hat bereits ein nächstes Ziel vor Augen: die Führerscheinprüfung! Zudem steht eine kleine Wohnung für ihn bereit, doch er möchte erst einziehen, wenn er die Möbel dafür zusammengespart hat.
Auch wenn sich Mohammads Leben jetzt positiv dreht, ist es nicht leicht für ihn, seine Eltern und Geschwister im Kriegsgebiet zu wissen. Aber er steht über Whatsapp mit ihnen in Verbindung und hat auch stolz das Foto mit seinem Chef bereits nach Daraa geschickt.

ARBEITSMARKT-INTEGRATION

Schon bald, nachdem die Flüchtlinge in der Unterkunft in Massenheim untergekommen waren, fand sich ein Team zusammen, das sich um Arbeitsmöglichkeiten für die geflüchteten Männer und Frauen kümmerte. Regelmäßig treffen sich die Frauen und Männer, die hier ihre profunde Erfahrung in der Berufs- und Arbeitswelt einbringen. 

Grollmus GmbH

Grollmus – Simatic Schulungen ist eine GmbH, die seit mehr als 35 Jahren in Schulung und Projektierung von Automatisierungssystemen tätig ist. Grollmus bietet Schulungen an zwölf Standorten in Deutschland und einem in Österreich. Darüber hinaus hat Grollmus innovative Software-Lösungen für die Konfiguration technischer Produkte im Portfolio.

Artikel und Foto von Annette Zwaack - Hochheimer Zeitung

Tags: Flüchtling

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