Leila und Mohsen, Iran

Im Iran hat Leila (34 J.) ein Studium im Bereich Personalmanagement absolviert. Bis zu Ihrer Flucht war sie Inhaberin einer Boutique, in der sie feine Schuhe und Taschen verkaufte.

In Ihrer Freizeit spielte sie gerne Volleyball und ging ins Fitnessstudio.

Sie ist hier in Hochheim auf der Suche nach einem Verein, der sie aufnimmt. Auch Fitnesstraining zusammen mit anderen Frauen würde ihr Spaß machen. Zudem sucht sie ein Praktikum oder eine Arbeitsstelle in einem Krankenhaus oder Seniorenheim.

Ihr Mann Mohsen (26 J.) arbeitete im Iran in einer Pizzeria, die seiner Familie gehörte. Er möchte in Deutschland gerne eine Ausbildung als KFZ-Mechaniker machen. Das war schon immer sein Traum.

Leila und Mohsen waren Christen in einem islamisch geprägten Land. Die derzeitige Regierung des Irans verbietet das Christentum. Wer sich weigert zum Islam zu konvertieren wird dort mit dem Tode bestraft. Beide können das nicht verstehen. Aus ihrer Sicht ist es im Islam nicht erlaubt, Menschen zu töten und wichtig, sein Gegenüber mit Respekt zu behandeln.

Wir spürten in unserem Innern, dass wir Christen sind und lebten unseren Glauben im Verborgenen. Wir hatten Angst, dass man uns entdeckten und töten würde.

- Leila -

Auch Mohsen konnte es nicht verstehen, warum sein Heimatland den Islam mit einer falschen Interpretation nutzte um Menschen zu unterdrücken und zu töten.

Am 16.11.2015 starteten Sie ihre Reise nach Deutschland. Sie hatten gehört, dass sie ihren christlichen Glauben in Deutschland frei leben könnten und sie Arbeit finden könnten. Also zogen sie los. Im Iran waren sie viel zu Fuß unterwegs, wie auch in der Türkei. Manchmal konnten Sie ein Teil der Strecke per Anhalter mitfahren. Nach einigen Tagen erreichten Sie Istanbul. Dort fanden Sie einen Bus, der sie nach sieben Stunden Fahrt nach Ismir ans Meer brachte. Dort wurde Ihnen ein Schlepper empfohlen, der sie über das Meer bringen könne. Dieser hatte zunächst kein Boot. Leila und Mohsen warteten ca. sehs Stunden zusammen mit anderen Flüchtlingen aus dem Iran, Afghanistan und Syrien. Insgesamt waren sie 48 Personen. Schließlich kam der Schlepper mit einem kleinen Schlauchboot mit Motor, das einige Löcher hatte. Er gab es ihnen zusammen mit Flickzeug für das Boot und zeigte Ihnen die Richtung in die sie fahren sollten. Immer geradeaus würden Sie nach Griechenland kommen. Zehn Flüchtlinge wechselten sich beim Aufblasen des Bootes immer wieder ab, analysierten die undichten Stellen und verklebten diese.

Schließlich fuhr das kleine überfüllte Boot mit seinen Passagieren los. Nach einiger Zeit auf dem offenen Meer verlor das Boot immer mehr Luft. Verschiedene Personen wechselten sich beim Aufblasen des Bootes ab. Wasser, das in das Boot hineinschwappte, versuchten sie mit den Händen heraus zu schöpfen. Als nach dreieinhalb Stunden voller Angst die griechische Küste zu sehen war, fiel der Motor des Bootes aus. Sie hatten Glück, dass sie von einem großen Boot entdeckt worden sind, da sie sonst wieder ins Meer abgetrieben wären.

Das griechische Helfer-Boot schleppte ihr Boot mit einem Seil in Richtung Küste ab. Leila, Mohsen und alle anderen waren überglücklich die Fahrt überlebt zu haben. An der Küste angekommen lief die Gruppe noch fast drei Stunden bis sie schließlich ein Flüchtlingscamp erreichten. Sie freuten sich über das Essen und Trinken der freundlichen griechischen Helfer.

Danach fuhren Leila und Mohsen mit einem Bus durch Griechenland. Unterwegs wurden sie an einer Empfangsstation bezüglich ihrer Fluchtgründe befragt und gaben ihre Fingerabdrücke zu Registrierung ab. Danach ließ man sie weiterziehen. In Mazedonien angekommen ließ man sie nicht weiter. Die Polizisten sagten Ihnen, dass der Iran für Leila und Mohsen ein sicheres Land wäre, indem sie gut aufgehoben seien. Nur Syrer durften weiterreisen. In der Nähe eines Bahnhofes schliefen sie mit vielen anderen Flüchtlingen zwischen den Bahnschienen. Es war sehr kalt. Sie hatten Glück, dass ein Zeltverkäufer vorbeikam und ihnen für 40 Euro ein Zelt überlies. Es regnete sehr viel, sodass die Kleidung nur schwer trocknete. Gelegentlich konnten sie ein kleines Feuer machen, an dem sie sich wärmten. Manchmal kamen Helfer vorbei, die ihnen gekochte Kartoffeln und Trinkwasser gaben.

Nach wenigen Tagen lernten sie jemanden kennen, der Ihnen afghanische Papiere besorgen konnte. 80 Euro pro Person zahlten sie und konnten sich so zwei Zugtickets kaufen mit denen sie nach Serbien fuhren, dann weiter mit dem Bus durch Slowenien, dem Zug durch Österreich nach München in Deutschland. Sie weinten vor Freude als sie Deutschland erreichten. Einige Mitreisende gaben ihnen den Tipp nach Frankfurt zu fahren. Dort wäre es besser als in München, meinten sie. So reisten die zwei schließlich weiter.

In Wetzlar angekommen hatten sie schließlich kein Geld mehr, um weiterreisen zu können. Alles, was sie noch hatten war die Kleidung, die sie an ihrem Leib trugen und sich gegenseitig. Sie wurden dann von in einem Flüchtlingscamp in Wetzlar untergebracht. Man wies sie an, dass sie das Camp nicht verlassen dürften, da sie noch keine Aufenthaltsgenehmigung hatten. Leila und Mohsen blieben also erstmal dort. Sie hatten Deutschland noch nicht kennenlernen können und vermissten ihre Familien und Freunde.

Nach zwei Monaten, an einen Abend gegen 19 Uhr, kam dann ein Bus mit dem sie nach Gießen zur Registrierung fahren mussten. Dort blieben sie dann zwei Monate bis sie nach Hochheim-Massenheim kamen.

In Massenheim lernten sie andere geflüchtete Christen kennen. Diese zeigten ihnen in Wiesbaden eine christliche Gemeinde, in der es auch andere Personen gab, die wie sie aus dem Iran stammen und mit denen sie sich verständigen konnten. Seitdem gehen sie jeden Sonntag dort in die Kirche. Leila freut sich, dass sie ihre schöne Kette mit dem christlichen Kreuz auf der Straße offen tragen kann, ohne Angst haben zu müssen.

Umso länger sie in Deutschland leben, desto wohler fühlen sie sich. Beide sprechen schon ziemlich gut Deutsch und möchten sich schnell integrieren. Sie sagen, dass sie sich innerlich und äußerlichen Frieden für ihre Mitmenschen und sich wünschen.

Auf die Fragen hin, was für sie typisch Deutsch wäre, antworten Leila und Mohsen: „Diese innerliche friedliche Ausstrahlung und das friedliche Miteinander leben. Aber natürlich auch die deutsche Pünktlichkeit und dass sie ihre Gesetze befolgen“, was sie sehr schätzen.

Beide sind nun seit dem 26.11.2015 in Deutschland. Sie sind froh, dass sie nur 10 Tage unterwegs gewesen waren. Gott habe sie beschützt und habe ihnen geholfen, sind sich beide einig. Sie hatten vor kurzem (Ende 2016) ein zweites Interview in Gießen und warten nun auf die Rückmeldung, ob sie in Deutschland bleiben dürfen.

Tags: Flüchtling

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